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    von Rolf Kersken aus Schweden 02.06.2007

Siljanrunt 2007

Rolf KerskenAm 02.06.2007 war es endlich soweit! Um 07:00 Uhr sollten wir einchecken zur Startaufstellung. Eine lange Schlange ambitionierter und auch Hobbybiker hatte sich eingereiht, um am Starthaus den auf der Startnummer beigefügten Chip einlesen zu lassen. Den hatten meine Frau Heike und ich tags zuvor schon besorgt.
Jetzt sollte es also wirklich losgehen, nach langer Vorbereitung an den Siegerländer Bergstrecken. Die Wetterlage schien Bestes erwarten zu lassen, nachdem wir 2 Tage zuvor für ein Abschlußtraining in Dauerregen geraten und eine richtige Dusche von den vorbeifahrenden LKW`s abbekommen hatten. Temperaturen um die 18/19 Grad und Sonnenschein pur! Ideal also für eine
lange Ausdauerleistung!
Rolf Kersken Allerdings sind die Temperaturen morgens noch lausig kalt. Das Thermometer zeigte gerade mal 5 Grad an. Dennoch schien die Sonne hell vom Himmel, wie das so üblich ist in Mittelschweden zu dieser Zeit.
Schnell wurde klar, daß Armlinge und Langarmtrikot selbst bei diesen Temperaturen dem Kurzarmtrikot weichen mussten. Das Streckenprofil hatten wir auch bereits einige Tage zuvor abgefahren. Allerdings wurden wir nach Mora (ca. 20 km) auf eine sehr schöne Nebenstrecke am Siljansee umgeleitet.
Der pure Genuß, so dachte und fühlte ich, und so kamen wir beim 1.Check nach ca. 35km an. Man konnte schön Druck machen auf einer ebenen Strecke, und mit den Rennradfahrern gut mitfahren. Kurz vor der 2. Verpflegungsstelle wurden wir dann wieder auf die reguläre Straßenverbindung Mora-Rättvik umgeleitet.
Diese ist schon von welligerem Profil. Aber alles kein Problem bis hierher. Auch die Anstiege machten mir nicht soviel aus. Der Tacho zeigte zwischendurch auch mal schlappe 15km/h an, aber nach der nächsten Bergkuppe ging`s dann im Windschatten einer Rennradlergruppe mit 50-55 km/h die Bergewieder runter.
"Prima", dachte ich,"so kann´s weitergehen!!"
Rolf Kersken Hinter Rättvik, es waren bereits 80 Kilometer gefahren, ging´s dann wieder auf eine Seitenstraße mit wunderschönem Ausblick auf den Siljansee. Den konnte man aber nicht genießen, da es ja galt, die Siljanrunde zu absolvieren. Hier müssen mich dann auch die ersten ambitionierten Rennradfahrer überholt haben, die sich für die komplette Strecke incl.
Orsaseeumrundung (der Orsasee mündet in den Siljan) entschieden haben. In Horden "flogen" sie an uns vorbei mit dem zurufenden Anfeuern "Heja pa", was soviel heißen soll wie "Hau rein Alter, du schaffst es!!"
Kurz vor Tällberg ging´s dann auf einen bitterbösen Abschnitt, der mir nochmal das Letzte abverlangte. Mental war ich am Tiefpunkt angelangt. Die Flüssigkeit im Bauch störte, da ich bereits einiges an Wasser getrunken hatte. Die Sonne brannte unaufhörlich. Es ging nicht mehr so recht. Pause - Regeneration.
Der Muskel war total leer. Es wollte einfach nicht mehr laufen. Aufgeben? Der Gedanke lag nahe. Die vorbeifahrenden Servicewagen hätten einen leicht mitnehmen können. Überall sah man Radfahrer, die sich am Straßenrand ausruhten. Die Sonne stand den ganzen Tag so hoch, ohne Chance auf Abkühlung. Trotzdem, ich mußte da raus. Suchte mir hinter einer Scheune ein
schattiges Plätzchen. - Aber es mußte ja weitergehen. Also, was tun?
Rolf Kersken Die nächsten 33 Kilometer zwischen Siljansnäs und Björka waren die Hölle. Leerer Muskel, Motivation am Boden, und trotzdem, langsam nahm ich die immerwiederkehrenden langen Anstiege, die als solche im Handbike gar nicht so auszumachen waren. Nur der Tacho zeigte mit quälenden 10-12 km/h, daß es hier bergauf ging. Die jetzt vorherrschende Vegetation tat ihr übriges.
Monotoner Nadelholzkrüppelbewuchs und ein an- und absteigender Straßenverlauf im Wechsel. Die vermeintlichen Gefällstrecken entschädigten auch kaum noch, da der Tacho kaum mehr als 27 km/h hergab.
Endlich, nach endlos erscheinenden Kilometern, der letzte Check in Björka. Hier saßen schon einige ausgehungerte und ausgelaugte Fahrer. Die im Hintergrund im schwedischen Folklorestil live gespielte Musik nahm ich kaum noch wahr. Zwei Tassen Kaffe und etwas Süßgebäck gaben mir nochmal den allerletzten Kick.
Zum Zielpunkt nach Sollerön, auf einer Halbinsel gelegen, waren es noch schlappe 14 Kilometer. Das Koffein gab nochmals den letzten Push und der letzte Anstieg wurde genommen. - Das Ziel!! Endlich!! Jetzt noch zum Auschecken. Der Körper produziert nochmals Adrenalin, die Schmerzen in den Armen merkt man schon gar nicht mehr.

Fertig, Ende, Aus, im Ziel, GESCHAFFT!!!!!!!!!! Ich hab´s geschafft!!!!!! Als Erinnerungstrophäe gibt´s für jeden Finisher ein sog. Dalahäst, ein typisches, rot-buntbemaltes Holzpferd, Markenzeichen für diese Gegend. Ich werde wiederkommen. Eine superschöne RTF in einer faszinierenden Gegend. Ein Tipp für die, denen Vätternrunde oder Trondheim-Oslo too much ist. Eine Tour auf jeden Fall mit Genußcharakter!

 

Fahrzeit brutto: 8h, 21 min.
Fahrzeit netto: 6h
Verbrauchte Kalorien: ca. 2 800
Trinkmenge: ca. 3,8l
Streckenlänge: 136 Kilometer (dieses Jahr wegen einer Baustelle länger,
sonst 120 km.)

 

Rolf Kersken

 
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